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Hey AlbertMarke und Designsystem
Als MarkdownEnglishEN

Marke

Stimme und Ton

Wie Hey Albert schreibt — Anrede, fünf Register, Tonalität, Stilmittel, harte Grenzen, Formales, Wortlisten und die zehn Muster für Mikrotexte.

Verhalten ist auch Sprache. Ein Hinweis ohne nächsten Schritt klingt kalt, auch wenn jedes Wort freundlich ist. Deshalb beginnt dieses Kapitel mit der Haltung und endet mit den Mustern, in denen fast jede Antwort schon steht.

Familienleben wird nicht in Begriffen aus dem Erwerbsleben beschrieben.

Eine Familie ist kein Team, ein Urlaub ist kein Projekt, ein Kind ist keine Ressource. Zu Hause arbeitet niemand. Es gibt Aufgaben und Pflichten, und man kümmert sich.

Anrede

„ihr“ zur Familie, „du“ zum Einzelnen, nie „Sie“. Die Zahl entscheidet, nie das Geschlecht.

  • Zur Familie und auf der Website: „ihr“. Dort sind mindestens zwei Erwachsene gemeint.
  • Zu einem Menschen in der App: „du“ — Erwachsene, Kinder und Dienstleister gleich.
  • Zu Dienstleistern besonders respektvoll und ohne Befehlsform: „Diese Woche geplant: Dienstag 8–12“.
  • Gendern durch Umformulieren: „wer kocht“.

Fünf Register

Albert spricht nicht überall gleich. Wer Register mischt, macht die Marke unglaubwürdig. Poesie im Vertrag wirkt unseriös, Amtsdeutsch im Kinderbereich wirkt kalt. Vor jedem Text steht deshalb die Frage: welches Register?

R1 · Der Erzähler

Website, Landingpages, Onboarding, Manifest, Modulnamen, Release-Notes

Merksätze, Kontrastpaare, konkrete Bilder aus dem Familienleben

9 / 18 Wörter je Satz, Ø / max

R2 · Der Family Manager

Die tägliche Oberfläche für Erwachsene: Knöpfe, Etiketten, Hinweise, Briefings

Knapp und handlungsorientiert

8 / 12 Wörter je Satz, Ø / max

R3 · Der Vorleser

Alle Kinderansichten, in drei Stufen: klein 6–9, mittel 10–12, groß 13+

Kurz, bildhaft, in der Gegenwart

6 / 10 Wörter je Satz, Ø / max

R4 · Der Sachbearbeiter

Safe, Verträge, Fristen, Finanzen, Steuern, Datenschutz, Rechtstexte

Präzise, nüchtern, vollständig

10 / 14 Wörter je Satz, Ø / max

R5 · Der Briefeschreiber

Von Albert vorformulierte Antworten an Schule, Verein, Versicherung, Handwerker, Behörde

Nicht Alberts Stimme, sondern die der Familie

12 / 18 Wörter je Satz, Ø / max

Watch und Mitteilungen: höchstens sieben Wörter, das Wichtigste zuerst. Beispiel: „16:40 · Handball, Halle Süd.“

So klingt jedes Register

R1 · Der Erzähler

Familienalltag scheitert selten an fehlenden Informationen. Er scheitert daran, dass niemand eindeutig zuständig ist.

R2 · Der Family Manager — immer mit dem nächsten Schritt.

Freitag, 18:40 — Rückfahrt vom Turnier. Noch kein Fahrer. Tobias hat ab 17:00 Zeit.

R3 · Der Vorleser — die Sprache wird mit dem Alter erwachsener, nicht nur die Schrift kleiner.

StufeBeispiel
Klein, 6–9Nach der Schule: Fußball. Nimm mit: Trikot, Schienbeinschoner, Trinkflasche.
Mittel, 10–1217:00 Fußball. Papa fährt dich um 16:40. Trikot und Schoner liegen bereit?
Groß, ab 13Fußball 17:00, Abfahrt 16:40 mit Papa. Deine Rückfahrt ist noch offen — anfragen?

R4 · Der Sachbearbeiter — hier ist Poesie ein Fehler.

Kfz-Versicherung, Police 4711-88. Laufzeit bis 31.12.2026, Kündigungsfrist ein Monat. Letzter Kündigungstag: 30.11.2026. Beitrag 684,00 € im Jahr.

R5 · Der Briefeschreiber — das ist die Stimme der Familie, nicht Alberts. Ein Brief an die Versicherung klingt nach Tobias, nicht nach Software. Jeder Entwurf ist sichtbar als Entwurf markiert und trägt keinen Hinweis auf eine Maschine.

Sehr geehrte Frau Berger, Lena kann am Freitag nicht am Ausflug teilnehmen. Sie hat an dem Tag einen Arzttermin. Viele Grüße, Tobias Sonntag

Tonalität

Adjektive wie „warm“ helfen beim Schreiben nicht. Positionen auf einer Achse schon. Die Zahl sagt, wo Albert zwischen den Polen steht, von 1 bis 10.

AchsePoleAlbertDas heißt
Wärmedistanziert — überschwänglich6warm, aber nicht rührselig
Näheförmlich — kumpelhaft5du, aber erwachsen. Kein „Hey“, kein „Yay“
Autoritätunsicher — belehrend6souverän. Er weiß es, er sagt es, er begründet auf Nachfrage
Tempolangsam — hektisch4ruhig, auch bei Fristen. Dringlichkeit kommt aus dem Inhalt
Humorhumorlos — albern4trocken und sparsam. Ein Zwinkern je Bildschirm, nicht je Satz
Konkretheitabstrakt — überdetailliert8immer konkret. Namen, Uhrzeiten, Beträge

Zwei Regeln ersetzen alle anderen. Könnte der Satz in einer Bank-App stehen, ist er zu kalt. Könnte er in einer Kinderserie stehen, ist er zu warm.

Fünf Stilmittel

Was Hey Albert erkennbar macht, ist wiederholbar. Fünf Werkzeuge, mit Regeln.

S1 · Der Rollenname. Funktionsname plus Rolle im Leben der Familie. Das Wochenboard ist „die Heldenansicht für die Familie“. Der Safe ist „der Aktenschrank der Familie“. Das Bild kommt aus Haushalt, Handwerk, Körper oder Theater, nie aus der Technik. Höchstens ein Rollenname je Absatz.

S2 · Der Merksatz. Ein Satz, den man sich hinschreiben könnte. Kurz, absolut, ohne Konjunktiv: „Kinder sind Beteiligte, nicht Publikum.“ Höchstens einer je Abschnitt, und er bringt seinen Beweis mit.

S3 · Das Kontrastpaar. Zwei Dinge gegeneinander, meist mit „statt“: „Bündel statt Einzelteile“, „Rhythmus statt Dauerfeuer“.

S4 · Das konkrete Bild. Statt der Kategorie das Ding selbst: „vergessene Turnbeutel, drei Mal Nudeln in einer Woche, ein Elternabend, von dem nur einer wusste“.

S5 · Die benannte Folge. Warum etwas wichtig ist, als Folge statt als Behauptung: „Ein Fehler hier bedeutet, dass die Haushaltshilfe die Grundsteuer sieht.“

Satzbau

  • Ein Satz, eine Sache. Hauptsätze, Subjekt zuerst.
  • Aktiv. „Tobias fährt.“ Wer handelt, steht im Satz.
  • Verb statt Hauptwort. „Wir planen die Woche noch.“
  • Kein Relativsatz mit „den“ oder „dem“. Lieber zwei Sätze.
  • Name, Uhrzeit oder Betrag — nie eine Menge. „Sechs Minuten bis zur Abfahrt“ statt „bald“.
  • Ein Wort je Sache, überall. „Fahrt“ heißt in App, Website, Brief und Kinderansicht gleich.
  • Für das Ohr schreiben. Laut lesen. Wo ihr stolpert, stolpert der Leser auch.
  • Je Abschnitt trägt ein langer Satz. Kürze ist kein Ziel. Null tragende Sätze sind ein Telegramm.

Harte Grenzen

Die Zahlen sind Wächter, nicht Richter. Einen Ausreißer liest ein Mensch, bevor er verworfen wird.

{
  "satzlaenge_max": 18,
  "anteil_ueber_15_max": 0.08,
  "silben_je_wort_max": 1.7,
  "wortteil_zeichen_max": 14,
  "wstf4_kinder_max": 5,
  "wstf4_erwachsene_max": 9,
  "homepage": {
    "hero_woerter_max": 40,
    "sektion_woerter_max": 90,
    "seite_woerter": [
      600,
      800
    ]
  }
}
FlächeLängeBeispiel
Knopf1–3 Wörter„Übernehmen“
Hinweis in der Appein Satz mit nächstem Schritt„Noch kein Fahrer — Anna hat ab 15:00 Zeit“
Leerer Zustandzwei Sätze und ein Knopf„Hier stehen eure Termine der Woche. Noch ist nichts eingetragen.“
Briefingdrei bis fünf Zeilen„Heute: drei Fahrten, du kochst, Lena braucht Badezeug.“
Website-Abschnitteine Überschrift, zwei bis drei Sätze—

Formales

RegelSoNicht so
uhrzeit16:4016 Uhr · 16.40 · 4:40 pm
datumMi 3.9. oder 3. September03.09.2026 in Fließtext · Mittwoch, den 3.9.
anfuehrungszeichen„so“"so" · “so”
gedankenstrichHalbgeviertstrich mit Leerzeichen: a – ba - b · a—b
zahlenbis zwölf im Fließtext ausgeschrieben, in Karten und Tabellen Ziffern, Dezimalkomma: 8,7 h, 48,00 €8.7 h · €48
ausrufezeichenkeines in der OberflächeFertig!
emojinirgendsjedes Emoji
textzeichenerlaubt sind nur → · › und –Unicode-Zeichen als Icon-Ersatz
  • Ort
  • Sache
  • Zuständig
  • Bündel
  • Fahrt
  • Sonntagsrunde
  • Eingang
  • Vorschlag
  • Übernehmen
  • Rückgängig
  • Safe
  • Woche
  • Heute
  • Taler

Dazu die Verben, die Albert gehören: kümmern, erinnern, vorschlagen, übernehmen, nachfragen, Bescheid geben. Und die Wörter für die schönen Dinge: Vorfreude, zusammen, aussuchen, feiern, erleben, behalten, frei. Ein Satz über einen Urlaub darf nicht klingen wie ein Satz über einen Zahnarzttermin.

NieStattdessenWarum
Nutzerihr, du, die Familie, der NameWir sprechen Menschen an, keine Konten.
Userihr, du, die FamilieKein Anglizismus für Menschen.
Featurewas Albert tut, der BereichWir beschreiben Verhalten, keine Funktionsliste.
DashboardHeute, Woche, ÜberblickDie Orte der App haben eigene Namen.
TaskAufgabe, SacheDeutsch, und eine Sache hat einen Zuständigen.
ItemSacheUnser Wort ist „Sache“.
ContentInhalt, Text, BildKein Fachjargon.
verwalten (für Menschen)begleiten, einladenMenschen werden nicht verwaltet.
optimierendas konkrete ErgebnisFamilie ist kein Prozess.
effizientdas konkrete ErgebnisFamilie ist kein Prozess.
Produktivitätdie Szene, die aufgehtFamilie ist kein Prozess.
Premium freischaltender Preis, offen genanntKeine Bezahlschranken-Sprache.
NieWarum
KISenkt bei einem Produkt mit Kinderdaten und Post nachweislich Vertrauen. Wir beschreiben Verhalten.
smartLeere Behauptung.
intelligentLeere Behauptung.
magischLeere Behauptung.
automatischAlbert handelt nie allein.
nahtlosLeere Behauptung.
Mental LoadWir werben mit dem Gewinn, nie mit dem Schmerz.
ChaosKein Vorwurf an die Familie.
Nie wieder …Zusage statt Verneinung.
Superlative („#1“, „das beste“)Keine Rangbehauptung.
jetzt sichernKeine Erwerbssprache, kein Druck.
spart ZeitKein Wirkversprechen.

Statt Erwerbssprache

StattWir sagen
„Arbeit“ im HaushaltAufgaben, Pflichten, was zu tun ist
„Team“Familie, wir, ihr
„Projekt“Anlass, Vorhaben, Urlaub, Fest
„Workflow“, „Prozess“Ablauf, wie es läuft
„To-do“Aufgabe
„Deadline“Frist, bis Donnerstag
„delegieren“, „zuweisen“ an Menschenabgeben, jemanden bitten, übernehmen
„tracken“, „monitoren“mitschreiben, festhalten, sehen
„Event“Fest, Feier, Anlass
„Onboarding“ für FamilienAnkommen, Einrichten, Loslegen

Wie Dinge heißen

Der Produktname ist bewusst gemischt: Albert — the Family Manager. Das ist die einzige erlaubte Mischform. Englische Begriffe stehen nur, wenn sie im deutschen Familienalltag längst angekommen sind: Cockpit, Board, Inbox, Safe, Album. Alles andere ist deutsch.

Im Code heißen Dinge anders als auf dem Bildschirm. Das ist Absicht.

Im CodeAuf dem Bildschirm
owner_idZuständig — „Zuständig: Papa“
ohne owner_idOffen, „Niemand zuständig“
tasksAufgaben
eventsTermine
occasionsAnlässe, im Einzelfall konkret: „Omas Geburtstag“
visibility: adultsNur für Erwachsene
Checkliste in der KinderansichtNimm mit
SchnellanlageZauberspruch, mit Zauberstab
Rolle servicegegenüber der Familie „Menschen, die uns helfen“, in der eigenen Ansicht „Deine Woche“

Auf dem Bildschirm steht möglichst der Name eines Menschen, nicht eine Rolle. „Papa fährt“ ist besser als „Ein Erwachsener ist eingetragen“.

Zehn Muster für Mikrotexte

Hier steht fast jede Antwort. Alle im Register Family Manager, das letzte im Vorleser.

SituationMusterSoNicht so
Knopfein Verb, das die Folge nennt„Woche planen“ · „Fahrt übernehmen“ · „In den Safe legen“„OK“ · „Absenden“
Bestätigungdasselbe Verb in der Vergangenheit, dazu Rückgängig„Fahrt übernommen. Rückgängig“„Erfolgreich gespeichert“
Leerer Zustandwas hierher gehört · warum es leer ist · eine Aktion„Hier stehen später alle Verträge mit ihren Fristen. Der erste sagt dir, wann du kündigen könntest. — Vertrag anlegen“„Keine Daten vorhanden“
KonfliktSachlage nennen, nicht bewerten, nicht blockieren„Mama ist Donnerstag um 17:00 schon eingeplant.“„Fehler: Terminkonflikt“
Fehlender ZuständigerLücke benennen und den Weg anbieten„Für die Rückfahrt am Freitag fehlt noch ein Fahrer — bei Tobias steht ab drei nichts.“„Unassigned trip“
ErinnerungFrist, Sache, nächster Schritt„In 30 Tagen verlängert sich die Kfz-Versicherung. Letzter Kündigungstag ist der 30.11.“„Achtung, wichtige Frist“
Alberts Vorschlagals Vorschlag markiert, mit Herkunft„Aus der Mail der Klassenlehrerin: Unterschrift und 8,00 € bis Freitag. Als zwei Aufgaben übernehmen?“„Albert hat 2 Aufgaben für dich erstellt.“
Fehler des Systemswas nicht ging · was jetzt gilt · was du tun kannst„Der Kalender konnte nicht abgeglichen werden. Deine Änderungen sind gespeichert. — Erneut versuchen“„Ein unerwarteter Fehler ist aufgetreten.“
LöschenFolge benennen, ohne Drama„Das Album und seine 84 Bilder werden gelöscht. Das lässt sich nicht rückgängig machen.“„Bist du wirklich sicher?“
Kind hat etwas fertigfeststellen, nicht feiern„Fertig. Bleibt noch: Zimmer aufräumen.“„Super gemacht“ mit Konfetti

Mit Kindern

  • Die Syntax vereinfachen, nicht das Register. „Heute bist du für den Müll zuständig.“
  • Höchstens drei Schritte, einer je Zeile. „Turnbeutel packen. Trinkflasche füllen. Beutel an die Tür stellen.“
  • Kein „du musst“. Die Notwendigkeit liegt bei der Sache: „Der Bus fährt um 7:12. Die Tasche steht vorher im Flur.“
  • Sagen, was offen ist — nicht, was jemand versäumt hat.
  • Lob benennt eine Handlung und kommt von einem Menschen: „Papa hat gesehen: Du hast heute alles allein gepackt.“

Was wir nicht behaupten

Wir versprechen keine Wirkung. Nicht für die Software, nicht für Kinder. Der Nutzen ist eine Szene, nie eine Stunde, nie ein Prozent.

Prüffragen

Vor jedem Text, jedem Beitrag, jedem Bildschirm:

  1. Könnte das in einer Bank-App stehen? Dann ist es zu kalt.
  2. Könnte das in einer Kinderserie stehen? Dann ist es zu warm.
  3. Steht ein Wort aus dem Erwerbsleben drin? Dann raus damit.
  4. Rede ich über ein Kind oder mit ihm? Über ein Kind reden wir nicht.
  5. Bringt der Hinweis den nächsten Schritt mit? Sonst ist er halb.
  6. Geht es um etwas Schönes — hört man das?
  7. Verkaufe ich gerade ein schlechtes Gewissen? Dann neu anfangen.
  8. Ist es eine Szene oder eine Eigenschaft? Ohne Uhrzeit, Namen, Ort oder Zahl ist es eine Eigenschaft.
  9. Steht da „kein“? Dann als Zusage neu schreiben.
  10. Feiert Albert etwas, das er selbst vorgeschlagen hat? Dann streichen.

Geschrieben wird mit dem Skill texten. Gemessen wird mit python3 tooling/check-sprache.py.